Afghanistan: Rundgang Camp Marmal
Der zweite Tag in Afghanistan beginnt mit einem schnellen Frühstück und der obligatorischen Tagesbesprechung. Auf der Agenda steht heute die Erkundung von Camp Marmal sowie ein Besuch beim German Police Project Team (GPPT) am internationalen Flughafen von Masar-e Scharif.
Eine Stadt im Staub Das Camp Marmal beeindruckt durch seine Dimensionen. Auf einer Fläche von rund vier Quadratkilometern ist hier eine autarke Kleinstadt entstanden, in der mehrere tausend Menschen leben. Die Infrastruktur ist strikt organisiert: Es gilt „Rechts vor Links“ und ein Tempolimit von 20 km/h – wer schneller fährt, verschwindet sofort in einer massiven Staubwolke.
Das Camp bietet fast alles, was man aus der Heimat kennt: von einer eigenen Klinik über Instandsetzungshallen bis hin zu Restaurants und Bars. In den internationalen Shops lässt sich von Parfüm bis zur Militärausrüstung fast alles erwerben. Ein besonderes Highlight sind jedoch die afghanischen Marktstände. Hier trifft lokales Handwerk auf militärischen Bedarf: Neben Teppichen und Souvenirs sind vor allem die individuell gestickten Namensschilder und Patches begehrt. Zu fairen Preisen – und nach dem obligatorischen, freundschaftlichen Feilschen – entstehen hier Unikate in Handarbeit.
Zwischen Bergen und Gedenken Von den Wachtürmen des Camps bietet sich ein beeindruckender Panorama-Blick auf die angrenzenden Gebirgsketten. Doch die Idylle trügt. Ein Besuch am Ehrenmal für die gefallenen Soldaten führt die ständige Gefahr vor Augen. Jede einzelne Tafel erinnert an ein Leben, das im Einsatz für die Sicherheit der Region gegeben wurde – ein Ort der Stille inmitten des geschäftigen Camp-Alltags.
Polizeiarbeit und kulturelle Barrieren Am Nachmittag stand die Arbeit des GPPT im Fokus. Deutsche Bundes- und Landespolizisten leisten hier entscheidende Aufbauhilfe. Sie beraten die afghanischen Grenzschutzkräfte am Flughafen in Sicherheitsfragen und Passagierabfertigung. Die Zusammenarbeit ist eng, doch die kulturellen Unterschiede bleiben spürbar.
Während die Begegnungen unter Männern meist von großer Herzlichkeit geprägt sind, bleibt die gesellschaftliche Rolle der Frau im 13. Jahrhundert verhaftet. Meine Begleiterin Tanja wurde oft nur zögerlich wahrgenommen; ein Handschlag zur Begrüßung blieb die Ausnahme. Auch das afghanische Zeitverständnis erfordert Geduld. Das Sprichwort „Ihr habt die Uhren, wir die Zeit“ beschreibt die hiesige Gelassenheit perfekt. Wenn ein Termin platzt, gehört Flexibilität zur wichtigsten Überlebensstrategie im diplomatischen Alltag.
Gefechtsbereitschaft beim Feierabendbier Der Tag endete in einer der kleinen Bundeswehr-Bars. Die Atmosphäre wirkt fast heimisch, wäre da nicht die strikte „Zwei-Bier-Regel“. Da die Soldaten zu jeder Zeit einsatzbereit sein müssen, wird jeder Ausschank akribisch auf einer Karte vermerkt. Die ständige Gefechtsbereitschaft ist keine Formsache – die Bedrohung durch Aufständische bleibt auch hinter den Mauern des Camps eine allgegenwärtige Realität.