Kanada: Wandern entlang des Bow Rivers im Banff Nationalpark
Sechster Reisetag in Kanada. Nach dem Frühstück, für das wir aufgrund von Bauarbeiten im Hotelkomplex kurz das Gebäude wechseln mussten, machten wir uns auf den Weg in die Innenstadt von Banff. Nach einem gemütlichen Stadtbummel durch die verschiedenen Outdoor- und Souvenirläden steuerten wir den Ortsausgang an.
Die Fahrt führte uns mehrere Kilometer an einem weitläufigen Golfplatz entlang bis zum Startpunkt des Rundle Riverside Trails. Dieser Wanderweg erstreckt sich über etwa 9 Kilometer entlang des Bow Rivers. Infolge der Schneeschmelze der vergangenen Wochen waren Teile des Pfades großflächig überschwemmt. Da wir die Tiefe der Wasserlöcher nicht einschätzen konnten, balancierten wir vorsichtig am Rand entlang, überquerten Hindernisse auf umgestürzten Baumstämmen oder wichen ins dichte Unterholz aus.
Die Strecke selbst ist geprägt von Wurzelwerk und losem Gestein, bietet aber immer wieder schöne Rastplätze. Auf unserer insgesamt 10 Kilometer langen Tour (wir kehrten nach der Hälfte um, da es kein Rundweg ist) begegneten uns lediglich drei Radfahrer – ansonsten genossen wir die idyllische Stille.
Obwohl Warnschilder ausdrücklich vor Bären warnten und wir gelegentlich ein Knacken im Gebüsch hörten, bekamen wir leider keine der großen Wildtiere zu Gesicht. Die Wege sind zwar gut begehbar, aber oft so schmal, dass man sie nur hintereinander passieren kann. Inmitten der imposanten 2.800 Meter hohen Berge sollte man zudem bedenken, dass Hilfe im Notfall Zeit benötigt.
Sicherheitshalber hatten wir unser Garmin inReach Explorer+ dabei. Dank des Iridium-Satellitennetzwerks sendet es alle 10 Minuten unseren Standort, der über einen Link live verfolgt werden kann – ein entscheidender Vorteil in den weiten Gebieten Kanadas ohne Mobilfunknetz. Besonders beruhigend ist die SOS-Funktion, die im Ernstfall die GEOS-Zentrale alarmiert.
Auch das Wetter forderte uns heraus: War es beim Aufbruch mit 20 Grad noch ideales Wanderwetter, schlug die Stimmung auf dem Rückweg schlagartig um. Der zunächst leichte Regen entwickelte sich schnell zu einem kräftigen Schauer. Dank unserer Regenkleidung erreichten wir das Auto jedoch weitestgehend trocken.
Das Highlight erwartete uns kurz vor Banff: In einem Wohngebiet stand ein Rehbock direkt am Straßenrand. Er wirkte so unbeweglich, dass ich ihn zuerst für eine Statue hielt, bis er plötzlich den Kopf hob. Wir hielten in nur zwei Metern Entfernung an und beobachteten fasziniert, wie das Tier völlig unbeeindruckt weitergraste und schließlich gemächlich die Straße überquerte. Ein unvergesslicher Moment!